Schlosstechnik

Die am weitesten verbreiteten Schlosstypen bei Kipplaufwaffen sind Blitz-, Kasten- oder Seitenschlosse.

Das Schloss ist der Mechanismus, der es ermöglicht, die Bewegung des Abzugs, über den Schlagbolzen, auf das Zündhütchen der Patrone zu übertragen. Hierbei werden die unter Spannung stehenden Schlagstücke freigegeben, so dass diese den Schlagbolzen durch den Stoßboden treiben und das Zündhütchen abschlagen. 


Blitzschloss (Detachable Boxlock)

Alle Schlossteile sind auf einem horizontal liegenden Schlossblech montiert und das Schloss kann dadurch leicht aus der Waffe herausgenommen werden. Blitzschlosse hatten früher den Ruf günstige und vor allem schlechte Schlossmechanismen zu sein. Heutzutage gibt es aber sehr hochwertige Blitzschlosse am Markt, da sie einige Vorteile haben. 

Da man die Schlosse sehr leicht aus dem System nehmen und reinigen kann, sind sie zum Beispiel bei Safaribüchsen beliebt. (Westley Richards) Bei Sportflinten wie von Zoli oder Perazzi werden austauschbare Blitzschlosse verwendet, um verschiedene Schlagstückgewicht und Federtypen nutzen zu können. So sind die Schlosse immer optimal auf die verwendete Munition abgestimmt.

Quelle: Blitzschloss Antonio Zoli Z-Gun


Kastenschloss (Boxlock)

Das Kastenschloss hat eine sehr kompakte Bauart, bei der die wichtigsten Arbeiten "buchstäblich in der Box" ablaufen. Es sitzt zum größten Teil im inneren der "Basküle" (Box) und basiert auf dem Design von Anson & Deeley (ca. 1875). Dieses Design ist zum Grundgerüst fast aller Kastenschlosse geworden, weil es durch seine Einfachheit und die Positionierung des Schwenkmechanismus kaum zu verbessern ist. Es wurde seit seiner Einführung in den 1870er Jahren viel kopiert, weil es das erste wirklich erfolgreiche hammerlose Design war. Auch Westley Richards und Greener haben eigene Lösungen auf der Basis von Anson & Deeley entwickelt.

Quelle: Flinte Beretta; Norbert Klups


Seitenschloss (Sidelock)

Ein Seitenschloss sitzt wie der Name schon sagt an der Seite der Basküle. Mit durchschnittlich über 50 Teilen ist ein Seitenschloss ein deutlich komplexeres Schloss als ein Kastenschloss.

Es ist schwierig, die beiden Konstruktionen in Bezug auf ihre Vorzüge zu vergleichen, da beide Vor- und Nachteile haben. Das Kastenschloss ist einfacher im Aufbau und hat weniger Komponenten, die eine Fehlfunktion haben können. Das Seitenschloss kann mehr Masse in die Basküle und damit in das Schwungzentrum bringen. Die Schlosse liegen weiter hinten, erlauben stärkere Materialdicken in Teilen der Basküle und bringen so zusätzliche Steifheit und Gewicht ins System.

Die Geometrie eines Seitenschlosses sorgt im Allgemeinen für einen knackigeren Abzug und der Mechanismus kann meist sehr einfach entnommen werden, was ein reinigen erleichtert.

Bei einer Bockkonstruktion (Over-and-Under), befinden sich die Schlagbolzenlöcher mittig und übereinander im Stoßboden. Hier wird ein Seitenschloss-Mechanismus weniger effizient. Dies liegt daran, dass die Schlagstücke auf den Seitenplatten in einem leichten Winkel positioniert sind, um genügend Kraft zur Detonation der Zündhütchen zu liefern.

Das hammerlose Seitenschloss wurde von Fredrick Beasley perfektioniert, dessen Entwürfe später von Purdey gekauft und dann von Holland und Holland weiterentwickelt wurden. 

Laufkonstruktionen

Demi-Block und Mono-Block sind Bezeichnungen für Laufbauweisen bei Flinten und Gewehren. Die Namen sind hilfreich, da "Demi", aus dem Französisch kommend die Hälfte oder Halb bedeutet und Mono für eins steht. Ein Demi-Block besteht also aus zwei Hälften/Teilen und ein Mono-Block aus einem.

Der "Block" (Breech-Bloc, engl.) ist in beiden Fällen der erste Teil der Läufe, der in die Basküle passt und meist über Laufhaken verriegelt wird. 


Demi-Block (Chopper-Lump-Lauf)

Ein Demi-Block wird oft als "Chopper-Lump-Lauf" bezeichnet. Jeder Lauf wird aus einem einzigen Stück Stahl geformt. Durch die homogene Stahlstruktur in der gesamten Länge (Lauf + Patronenlager) wird das Werkstück sehr stabil und Materialfehler unwahrscheinlich.

Das Bild unten (Pfeil) zeigt den zusammengebauten Chopper-Lump-Lauf. Die Linie in der Mitte ist die montierte Lötverbindung, die genau zusammenpassen muss, um sicherzustellen, dass die Läufe im richtigen Winkel zusammenstehen und stabil verbunden sind. Über diesen Winkel und den Mündungskeil wird das Zusammenschießen der Läufe justiert.

Der Hauptvorteil eines Demi-Block-Laufs ist seine Festigkeit. Wenn eine Patrone verschossen wird, wird die Waffe durch den Verschlusskeil geschlossen gehalten. Hierbei übt der Verschlusskeil bei einem Demi-Block-Lauf den Druck gleichmäßig auf beide Laufhälften aus und bietet so zusätzliche Festigkeit.

Die konstruktive Stärke kommt aber nur bei Side-by-Side Konstruktionen zum Tragen, da bei Bockkonstruktionen, der Verschluss bauartbedingt nur am unteren Lauf greift.


Mono-Block

Ein Mono-Block-Lauf besteht aus einem Aufnahmeblock, der in der Basküle liegt und den beiden Läufen, die in den Mono-Block eingesetzt werden.

Die Vorteile eines Mono-Blocks ergibt sich aus der Genauigkeit seiner Herstellung, da er perfekt maschinell bearbeitbar ist. Die Toleranz liegen häufig im Bereich von tausendstel Millimetern und die Stellung der Läufe zueinander lassen sich viel leichter einstellen. Da Mono-Block-Läufe einfacher zu bearbeiten sind, sind sie auch von Natur aus kostengünstiger in der Herstellung.

Mit den heutigen Fertigungsmöglichkeiten im Bereich der CNC-Bearbeitung werden die meisten Waffen im Monoblockdesign hergestellt. Die Qualität steht den Demi-Block Waffen in nichts nach und ein Mono-Block kann je nach Waffentyp auch Vorteile haben.

Nichts desto trotz ist eine Waffe mit handgemachten Chopper-Lump-Läufen ein Qualitätsmerkmal und zeigt die Fähigkeiten des Büchsenmachers. Daher sind Demi-Block-Läufe bzw. Chopper-Lump-Läufe auch deutlich teurer als maschinell gefertigte Monoblock-Läufe.